War das die letzte Mountainbike-Tour zusammen, bis sich die Lage um Corona wieder verbessert hat? Ist es sinnvoll trotz der Lage noch aufs Bike zu hüpfen? Viele Fragen, die so gut es geht beantwortet werden.

Route:                   Rüti-Hiltisberg–Wald–Hüebli–Elbatobel–Töbeli–Rüti
Kilometer:            27,41
Höhenmeter:       609
Highlight:             Trail vom Hüebli
Lowlight:              Corona – und der beissende «Schneewind»

Sonntag, 22. März 
Die wohl letzte Tour vor einer gleichermassen unfassbaren wie leider bitterst nötigen Pause. 
Eine Pause, die das öffentliche Leben weitestgehend zum Stillstand bringen wird. In der ein Aufenthalt draussen an der frischen Luft nicht mehr möglich und sogar verboten sein wird.

Aus genau diesem Grund entschliessen wir uns doch zu einer kleinen Ausfahrt. Zwei Kumpels treffen sich für eine kurze Biketour. Ganz normal. Nichts Besonderes. Eigentlich. Und doch fühlt sich heute anders, fremd, beängstigend an. Allein die Tatsache, dass wir uns treffen, löst ein mulmiges Gefühl aus. «Dürfen wir das überhaupt noch? Oder sollten wir aus Solidarität zu Hause bleiben?» fragt man sich unweigerlich. Sehr allein rollen wir mitten in Rüti los. Beinahe gespenstisch ist kaum ein Auto unterwegs und kein Mensch zu sehen.

Das ändert sich, als wir beim Tennisclub die asphaltierten Wege verlassen und die Natur spürbarer wird. Hier sind wir nicht mehr allein. Ich finde es schön, dass viele Menschen gerade jetzt die Natur und deren Kraft suchen. Um sich in ihr wohl und aufgehoben zu fühlen, auftzuanken oder dank ihr nur schon auf andere Gedanken zu kommen. Sogar hier, auf den Waldwegen, herrscht eine bedrückte Stimmung: Alle Wanderer, Hündeler, Biker, Walker, Reiter begegnen sich aufmerksam, verbunden und sehr höflich. Aber das «Guten Morgen» fällt eine Spur leiser, fast andächtig aus. Ich merke, wie ich noch langsamer, noch vorsichtiger kreuze oder überhole, penibel auf genügend Abstand achtend.

Roger hatte kalt
Roger hatte kalt, vielleicht weil er so langsam hoch fährt?

Unser Plan sieht vor, via Wald nach Gibswil und von dort über den Bachtel wieder nach Rüti zu fahren. Kurz nach dem Grossweier-Riet fährt uns ein eisiger Wind durch Mark und Bein. Ein «Schneeluft», der wie durch einen hindurchweht, den man nicht abblocken kann. Auf der kurzen Abfahrt nach Laupen fällt das Bremsen schwer, weil bereits sämtliches Gefühl und alles Blut aus den Fingern entwichen ist.

In Wald, gleich beim Bahnübergang wartet eine saftige Rampe auf uns. Nicht sehr lang, aber äusserst steil. Rogers und meine Herangehensweise an so «Stutze» könnten unterschiedlicher nicht sein. Während er schon früh die allerkleinsten Gänge sucht und meist findet, trete ich bewusst grössere und suche die Challenge. Und während ich die Übersäuerung in den Oberschenkeln noch öfter finde, als ich sie suche, geht Roger solchem aus dem Weg.

Trotz unterschiedlicher Taktik klettern wir gemeinsam hoch bis zum Einstieg ins Sagenraintobel, das wir heute aber weitestgehend meiden werden – zu viele Menschen auf zu engem Raum. Trotz erhöhtem Puls ist die Temperatur in meinen Schuhen und Handschuhen nochmals empfindlich gefallen. Am Ende des Plattenwegs dann siegt die Vernunft: Statt den Bachtel in Angriff zu nehmen, begnügen wir uns mit dem kurzen Aufstieg zum Hüebli, von wo ein netter kurzer Trail hinunter ins Jonatal führen soll. Führt er auch – allerdings sieht der Einstieg nicht ungefährlich aus. Spontan warnt der Corona-Zeigefinger in einem: «Obacht! Bloss keine Verletzung, keine Hospitalisierung riskieren». Wir steigen ab. Ganz selbstverständlich.

Hüebli Trail
Anspruchsvoller aber schön flowiger Trail

Nach den ersten schwierigen Metern ist ein Aufsitzen wieder vertretbar, und die restliche Abfahrt gefällt uns beiden sehr gut: Technisch durchaus fordernd, aber gut fahrbar und nicht halsbrecherisch. Auch durchs Elbatobel nach Wald stossen und tragen wir das Bike mehr, als dass wir fahren. Mittlerweile sind wir so tiefgekühlt durchgefroren, dass wir uns für den direktest möglichen Rückweg übers Töbeli, Oberdürnten – und mit dem kleinen Highlight des Schlangen-Zickzack-Wegs hinunter nach Dürnten – nach Rüti zurück entscheiden.

Natürlich hat es gut getan, sich an einem Sonntagmorgen mit seinem Bikefreund zu bewegen. Doch die Freude stand uns auch schon mehr ins Gesicht geschrieben als heute. Die Verabschiedung fällt denn auch entsprechend kurz und nachdenklich aus:

«Ciao Andi. – Villicht chömmer gli nüme.»
«Ciao Roger. – Bis … ? Irgendwenn?»
«Bliib xund.»
«Danke. Heb Dir Sorg.»

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